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Tempohomes

Städtebauliche Planung einer Anlage von Flüchtlingsnotunterkünften

Auf dem Tempelhofer Feld nordöstlich des ehemaligen Empfangsgebäudes sollte die temporäre Unterbringung von Flüchtlingen in „Tempohomes“ geplant werden. Drei Monate sollen die Geflüchteten dort wohnen und die Anlage Ende 2019 nach drei Jahren komplett zurück gebaut werden. Vorgesehen war die Unterbringung von 2.000 Menschen in 20 Fuss Standard-Containern, gruppiert in Einheiten für jeweils 500 Personen. Die Einrichtung der Container selbst war nicht Gegenstand unserer Arbeit. Der für den Bau vorgesehene Teil des Tempelhofer Feldes steht unter Bodendenkmalschutz, so dass der Baugrund für die Leitungsführung angehöht werden muss. Aus diesem Grund konnten auch keine zusätzlichen Siele (Abwasserleitungen) installiert werden. Die Abwassermengen waren gering zu halten. Das eigene Kochen und Waschen der Wäsche konnte den Geflüchteten unter anderem deshalb nicht gewährt werden.

Gemeinsam Wohnen und Leben

Unser Vorschlag sieht eine Gruppierung der Anlage um vier Plätze vor, die thematisch unterschiedlich belegt werden sollen. Zentral gelegen ist der „Marktplatz“, der zu einem Treffpunkt aller Bewohner und zu einem Ort des Austausches mit Nachbarschaft oder der ganzen Stadt werden kann. Direkt benachbart liegt die Festwiese für Zirkusveranstaltungen oder Konzerte, die auch auf ein Publikum außerhalb der Unterkünfte abzielten. Etwas abgelegener finden ein „Ort der Sinne“, um Ruhe oder Kontemplation zu finden, ein „Ort des Lernens“ mit Bildungseinrichtungen für alle Altersgruppen sowie ein „Ort der Aktiven“ für sportliche oder festliche Aktivitäten. Diesen zentralen Orten sind jeweils Gemeinschaftshäuser zugeordnet, in denen gegessen wird und in denen  bei schlechtem Wetter die beschriebenen Aktivitäten stattfinden. Den öffentlichen Zonen sind privatere Bereiche für einen Rückzug angeschlossen. Die gesamte Anlage ist überall gut einsehbar, die soziale Kontrolle unter den Einwohnern nicht eingeschränkt und die Sicherheit gewährleistet.

Eigeninitiativen der Geflüchteten ermöglichen

Da die aktive Betätigung der Geflüchteten nur im begrenzten Maße geschehen kann, ist Möglichkeit zur Mitwirkung am Bau der Gemeinschaftseinrichtungen vorgesehen, um sie konkret nach den Bedürfnissen der Geflüchteten einzurichten. Außerdem sollen Möglichkeiten zur direkten gestalterischen Mitwirkung der Geflüchteten gegeben werden. Die Einrichtung ist bewusst räumlich und in der Nutzung differenziert, so dass allen Bewohnern die Bewegung in der gesamten Anlage sowie deren differenzierte Benutzung ermöglicht wird.

 

Der Entwurf der Baupiloten BDA basiert auf dem von More Than Shelters entwickelten ZIELBILD für eine sozialgerechte und integrierte Planung des Standortes ehemaliger Flughafen Tempelhof als Unterkunft und Ankunftszentrum für Geflüchtete.

 

Nutzung

Sonderbau einer Flüchtlingsnotunterkunft für bis zu 2000 Personen, befristet bis zum 31.12.2019

Gliederung

Die Baumassen werden auf dem Gelände in 4 Containeranlagen gegliedert.

Ein TT (=1 Charge=244 20 Fuß Standardcontainer) besteht aus:
– 8 miteinander verbundene Wohncontainereinheiten mit je 8 Wohnmodulen die jeweils aus 3 Containern bestehen. Insgesamt ergibt sich daraus eine Gesamtzahl von 24 Containern.
– 1 Einheit aus 24 Containern mit Gemeinschaftsräumen
– 1 Einheit aus 24 Containern mit Verwaltungs- und Lagerräumen
– 1 Pförtnereinheit aus 4 Containern

Projektteam

Susanne Hofmann, Henning Fritsch, Jana Sommer

Projektkoordination

GMS Gesellschaft von Architekten und Beratenden Ingenieuren mbH

Fachplaner

PLASCHKA Planung und Beratung GmbH (TGA),
Albert Armbruster, Büro für Landschaftsarchitektur

Eigentümer

Land Berlin

Bedarfsträger

Landesamt für Gesundheit und Soziales – LaGeSo

Auftraggeber

Tempelhof Projekt im Auftrag des Landes Berlin

Standort

Tempelhofer Feld, Suchraum A